Einleitung



Die weitläufige Meinung, dass es in Europa kaum Pferdetransporte gäbe, sondern die Pferde im jeweiligen Land vor Ort gezüchtet und geschlachtet würden, ist leider ein Trugschluss, der aber nicht überrascht. Denn es gibt speziell zur Schlachtpferdehaltung und zu Schlachtpferdetransporten kaum aussagekräftige Berichte, da Schlachtpferde selbst von Tierschutzorganisationen allgemein zu den „Nutztieren“ gerechnet werden. Deshalb musste ich auch bei dem Thema „Schlachtpferde“ viele verschiedene Berichte aneinander reihen, um die wirkliche Dramatik aufzuzeigen.
Leider konnte ich keine Berichte über die Haltung von „Schlachtpferden“ finden, wobei Insider wissen, dass die Fohlen von Anfang an in Ständerhaltung ohne jegliche Bewegung bis zum Transport angebunden sind. So wurde mir berichtet, dass die „Zuchtstuten“ nie das Tageslicht sahen und sich viele Pferde auf dem Pferde-Markt in Polen mit verkürzten Sehnen und somit auf den Zehenspitzen fortbewegten. Dies resultiert von zu wenig Bewegung und Stehen auf weichem Untergrund, sprich knöchelhohem Mist. Eigentlich ist es auch naiv anzunehmen, dass Pferde, die zur Schlachtung dienen, ins Freie dürfen. Kühe dürfen ja auch nicht raus.
Nun berichten alle Tierschutzorganisationen von Schlachtpferdetransporten in Polen. Aber was ist mit den deutschen Schlachtpferden? Werden diese auch in Ständerhaltung großgezogen und gehen auf den langen Transport? Wie viele Schlachtpferdezüchter gibt es und wie werden diese Tiere gehalten? Werden sie für den deutschen Markt gezüchtet und vor Ort geschlachtet oder gehen sie in den Export? Ich denke, wir sollten endlich auch über die deutschen „Schlachtpferdehändler“ und „Schlachtpferdemärkte“ berichten. Ich zumindest wäre sehr dankbar, wenn ein Reporter sich der Sache ernsthaft annehmen könnte.

Nun wird der Eine oder Andere einwenden, dass er sich dieses Elend gar nicht ansehen bzw. darüber lesen möchte, weil er sowieso nichts ändern kann. Stimmt! Im Großen werden wir vielleicht so schnell nichts ändern können, aber z.B. bei der Thematik PMU sollte jede Frau selbst entscheiden können, ob sie an dieser barbarischen Tierquälerei an Stuten, die zur Herstellung des Medikaments jährlich ein Fohlen zur Welt bringen müssen, beteiligt sein möchte. Wenn jede Frau, die gegen PMU ist, dies ihrem Frauenarzt und ihren Bekannten erzählen würde, würde es einen Schneeballeffekt geben und sich die Nachricht in Windeseile verbreiten. Schließlich sind wir Frauen für unsere mündlichen Überlieferungen berüchtigt. Und wenn sich dann noch einige die Zeit nehmen würden, Protestbriefe zu schreiben, dann könnte sich etwas verändern. Und wenn nicht, so hätten wir es wenigstens versucht, zumindest schluckten wir dann keine Medikamente, die aus Urin von tragenden Stuten entstanden sind. Welcher Mensch hatte eigentlich diese kranke Idee?

Aber wenn wir nun glauben sollten, unsere (deutsche) Art mit Pferden umzugehen, sei eigentlich ganz in Ordnung, den Pferden fehle es an nichts und die Tierquäler seien die anderen, dann möchte ich dazu sagen, dass wir nicht viel besser sind: Auch heute noch werden Pferde von ihren Besitzern gedankenlos dem Metzger verkauft, der die Tiere dann möglicherweise auf den Transport nach Italien oder Frankreich schickt, da sie ja nun sein Eigentum sind! In vielen Bundesländern ist die Ständerhaltung noch erlaubt! In Wien und Berlin werden die Kutschpferde nicht besser behandelt als in Rom und in unseren Reitställen sind Pferdeboxen mit Paddock leider immer noch die Ausnahmen anstatt die Regel.Angrenzende Pferdekoppeln, die genutzt werden können sind ebenso selten. Daher sollten wir unser eigenes Tun mit unseren Pferden tagtäglich sehr kritisch hinterfragen, ohne uns die Freude an der Reiterei und Pferdehaltung zu nehmen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Pferdefreunden eine sanfte Hand und einen wachen Verstand sowie die Bereitschaft, auch den Pferden etwas von der Freude zurückzugeben, welches sie uns geschenkt haben.