Tierschutzgesetz –eine Farce?


Solange das Tierschutzgesetz wegen seiner mannigfaltigen Auslegungen nicht greifen kann und staatliche Stellen aufgrund der vorliegenden Fakten nicht eingreifen können, wird sich die Situation der Tiere nie verbessern. Das Gesetz muss neu definiert werden!
Wenn wir nicht erreichen, dass fachlich kompetente, unabhängige Pferdespezialisten die angezeigten Tierschutzwidrigkeiten überprüfen und den Pferdebesitzer belehren sowie gegebenenfalls Nachhilfe in Sachen Pferdehaltung erteilen - bis hin zur Wegnahme des Tieres - wird sich nie etwas ändern. Das heißt, wir brauchen zusätzlich zu den jeweiligen Amtstierärzten einen Tierschutzbeauftragten für Pferde, der mit dem Amtstierarzt vor Ort fährt. Es kann nicht angehen, dass Amtstierärzte, die zum Großteil über Pferde und deren Bedürfnisse nicht genügend Fachwissen haben, über deren Schicksal urteilen dürfen. Auch ist es für die Amtstierärzte durch das uneindeutige Tierschutzgesetz schwierig, wirklich eingreifen zu können. Selten liegt ein so gravierender Fall vor, dass sofort Handlungsbedarf besteht. Und wenn doch, dann stellt sich zugleich die Frage, wohin mit dem Pferd bzw. mit den Pferden. Es gibt zwar ein paar Stallbesitzer (Tierschützer), die sich auf beschlagnahmte Pferde spezialisiert haben, aber selbstverständlich muss in so einem Fall der Staat für die Pferde aufkommen. Von daher überlegt ein Amtstierarzt lange, ob er dem Pferdebesitzer nicht doch noch eine Frist zur Behebung der Mängel setzen soll, bis er das Pferd irgendwann  beschlagnahmt.
Privatpferde, die in einem Tattersall bzw. auch in einem guten Pensionsstall von dem Stallbesitzer zwar gemistet und gefüttert werden und somit nicht augenscheinlich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird aber: vom Besitzer nicht bewegt wird, trotz Lahmheit bewegt wird, nur in der Halle bewegt wird, nur am Wochenende dafür aber gleich vier Stunden Strecke macht, durch unsachgemäße Ausrüstung unrittig werden und leiden, u.s.w.
Verstöße dieser Art werden von den anderen Reitern zwar erkannt, aber nie zur Anzeige gebracht, weil man inzwischen weiß, dass die Amtstierärzte hier nicht eingreifen, da anscheinend die Beweisführung zu schwierig ist. Auch der Stallbesitzer greift nicht ein, wenn das Pferd grundlos über mehrere Tage in seiner Box verharren muss, solange die Boxenmiete überwiesen wird.
Wenn wir aber ein Pferd verkaufen müssen, hoffen wir doch, dass es in gute Hände kommt und die Reiter und Stallbesitzer ein Auge auf die adäquate Versorgung haben.
Von daher wünsche ich mir wesentlich mehr Zivilcourage.
Aber dazu gehört auch, dass Tierschutzbeauftragte greifbar sind, an die man sich wenden kann und die in den genannten Fällen Gespräche mit den Pferdebesitzern führen, sie über die Bedürfnisse eines Pferdes aufklären und Lösungsvorschläge unterbreiten. Weil es immer mehr Menschen gibt, die sich ohne jegliche Vorkenntnisse ein Pferd zulegen, ist es auch von so enormer Wichtigkeit, dass Reitlehrer und Personal über ein wirklich fundiertes Fachwissen und pädagogisches Geschick verfügen.
In internen Tierschutzheften findet man öfters einen Bericht über schlechte Tierhaltung, u.ä. Hier wird außer den Tieren auch keiner geschützt, den Berichten sind meist die Namen der Verursacher  und Bilder von den Stallungen etc. zu entnehmen. Leider hat die Vereinszeitschrift nicht die Auflagenfläche und den Wirkungsgrad bei Reitern, wie es mehrere Reitsportfachzeitungen haben.  
Warum kann man in den einschlägigen Reitsportzeitungen keine Tierschutzseite einrichten, in denen der Werdegang eines gravierenden Vergehens kommentiert wird?
Warum kann ein Tierschutzbeauftragter von der LK oder der FN sich nicht, zusammen mit dem Amtstierarzt, der Sache annehmen?
Warum muss man erst durch unzählige Telefonate herausfinden, wer wofür wann zuständig ist? Es kommt mir manchmal wie ein Dschungel mit vielen Nischen zum Versteckspielen vor, indem ständig einer ruft: „wir sind nicht zuständig“!

Nun für die Haltungsbedingungen sind die Veterinärämter des jeweiligen Landkreises zuständig. Das heißt, nur diese sind befugt, den Pferdbesitzer bei schlechten Haltungsbedingungen anzusprechen, und gegebenenfalls eine Änderung der Haltungsbedingung zu fordern. ( Eine Anzeige bei der Polizei, geht auch nur zum Veterinäramt weiter) Erst bei absolut gravierenden Tierschutzvergehen werden die Tiere beschlagnahmt. Dies tritt aber sehr selten ein, da man gar nicht wüsste, wo man die Pferde unterbringen sollte. Auch sind nicht alle Veterinärämter gleich engagiert. Bleibt das Veterinäramt untätig oder werden nur geringfügige Auflagen erteilt, die für das Wohl des Pferdes nicht ausreichen, ist der nächste Schritt eine Klage beim Gericht. Ein einzelner Bürger wird sich aber hüten, diesen Schritt zu gehen. Also versucht man es über die großen Tierschutzverbände, die eher über finanzielle Mittel verfügen und Rechtsanwälte in ihrer Mitte haben. Aber auch diese können sich nur sehr gravierenden Fälle annehmen, da sie überlastet sind.
Wenn wir ein besseres System im Pferdeschutz aufbauen würden, könnten solche Zustände und solche Gerichtsurteile nicht mehr stattfinden.
Ein Tierschutzbeauftragter für Pferde, der sich auch Verstößen annimmt, die zwar offensichtlich sind, aber von den Veterinärämtern mit der Begründung, hier fehlten die Beweise, nicht verfolgt werden. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Pferdebesitzer den Pferden nur schlechte und unzureichende Unterbringung gewährleistet, die Pferde einige Wochen nicht bewegt, die Pferde im Sommer in der Gluthitze ohne Rückzugsmöglichkeit auf die Koppel stellt, die Pferde aus Unwissenheit überbeansprucht, u.s.w.
Sie kennen bestimmt selbst einige Reiter, bei denen Sie denken, dies wäre ein Fall für einen Tierschutzbeauftragten. Eine Person, die befugt ist, den Reiter auf seine Fehler aufmerksam zu machen  und somit versucht die Situation für das Pferd erträglicher zu machen.

Meine Vorstellungen :

Sämtliche Pferdesportorganisationen  sollten sich endlich gemeinsam an einen Tisch setzen und „die Richtlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ im Tierschutzgesetz so einbringen und definieren, dass eindeutige Paragraphen daraus hervorgehen. Diese wichtigen Forderungen sind dann den entsprechenden Politikern nahezubringen und  gemeinsam mit den zuständigen Stellen des Bundesministerium auszuarbeiten.
Das Tierschutzgesetz muss eindeutig festlegen, welche Bewegung ein Pferd täglich benötigt. Außerdem muss für Schlachtpferdetransporte eine neue Regelung gefunden werden.

Die Veterinärämter müssen mit zwei unabhängigen Gruppen von Veterinärärzten besetzt werden.
1.    Die bestehende Gruppe, die weiterhin für den Fleischbeschau etc. zuständig  ist.
2.    Eine Gruppe von Tierärzten, die sich ausschließlich mit tierschutzrelevanten

       Fällen beschäftigt. In dieser Gruppe muss auch ein Pferdefacharzt tätig sein.

Des Weiteren sollte in jedem Landkreis ein eigener Tierschutzbeauftragter für Pferde beschäftigt sein, der sich um Tierschutzvergehen kümmert, die zwar gravierend sind,
denen aber aus Mangel an Beweisen von den Veterinärämtern gar nicht nachgegangen wird. Der Tierschutzbeauftragte kann in einem Aufklärungsgespräch mit dem Pferdebesitzer meist schon viel erreichen, denn bei vielen Pferdebesitzer liegt es oft eher an der Unwissenheit, als an böser Absicht.
Ich denke mit einem offiziellen Tierschutzbeauftragten, der Gespräche mit Pferdebesitzern führt und auch Seminare und Lehrgänge anbietet, könnte man den Pferden wirklich zu einem besseren Leben verhelfen.