Artgerechte Pferdehaltung

 

 

Lange und zäh waren allein die Verhandlungen, bis endlich der Beschluss gefasst wurde, die Ständerhaltung zu verbieten. Reitbetriebe hielten ihre Schulpferde bis zum bitteren Ende in der Ständerhaltung. Warum? Weil sie in den elterlichen Betrieb hineingewachsen sind und es nicht anders kannten? Weil sie keinen Bezug zu den Tieren haben? Weil die Pferde nur eine Einnahmequelle sind? Sollte man nicht gerade dann den Tieren die bestmögliche Unterbringung gewährleisten, damit sie sich, nachdem verschiedene Reiter ihnen im Kreuz „herumgeplumpst“ sind, in einer großen Box wenigstens nachts ausgestreckt hinlegen können? Doch wozu? Schließlich kann man, anstatt ein Pferd in einer Box, mit dem gleichen Platzangebot zwei Schulpferde in Ständern unterbringen. Und es bleibt so mehr Platz, um Pensionspferde in Boxen einzustellen. Auch wenn ein Privatpferdebesitzer sein Pferd niemals in einen Ständer stellen würde, so schaut er doch zu, wie Schulpferde gezwungen werden, ständig auf einem Platz zu stehen, gegen die Wand zu schauen und sich keinen geeigneten Platz zum Schlafen aussuchen  können, obwohl sie sich einfach hinlegen müssen, wo sie gerade stehen. Dies ist ihnen im Ständer nur mit angewinkelten Beinen möglich, denn ein ausgestrecktes Liegen ist aus Platzmangel kaum zu realisieren. Gut, die Zeiten sind vorbei, oder doch nur verlagert?
Manchmal sieht man, dass ein Stand einfach mit einer Boxentüre versehen wurde. Das Pferd  ist zwar nicht mehr angebunden, aber das Raumangebot bleibt gleich. Das Pferd streift beim Herumdrehen in der Box mit der Hinterhand oder der Schulter an der Wand.
Auch werden bei Platzmangel kurzerhand zwei Ponys in eine normale Box gestellt.
Auch wenn die Privatpferde in solchen Reitbetrieben eine Box zur Verfügung haben, so entspricht dies vielleicht gerade noch dem Tierschutzgesetz, aber auf keinen Fall den Bedürfnissen der Pferde. Die Stallungen sind zum Großteil immer noch dunkle Höhlen ohne genügende Luftzufuhr und Fenster.

©Innenstall copyright Fotolia

Auch wenn bei einem geringen Teil der Reiter ein Umdenken stattgefunden hat, ist der Großteil der Reiter immer noch bereit, ihre Pferde in dunkle Verschläge zu stellen. Warum? Und warum sind Stallbesitzer nicht bereit, ihre Boxen mit Paddocks nachzurüsten?
In den meisten Anlagen wäre dies ohne großen weiteren Aufwand möglich. Wenn es auch viele Stallbesitzer aus Kostengründen scheuen, so rechnen sich die Kosten, denn früher oder später ziehen die Pferdebesitzer in einen anderen Stall um, der in nächster Nähe als erstes Paddockboxen anbietet. Auch die enormen Tierarztkosten bei Stauballergie, Husten und Pilzinfektionen wegen mangelnder Luftzufuhr und Sonneneinstrahlung, könnte man einsparen.
Die zusätzliche Bewegungsmöglichkeit kann zumindest angelaufenen Beinen entgegenwirken. Noch unverständlicher ist, dass Neuanlagen zwar mit Solar-, Beregnungsanlage, Reiterstüble etc. für die Reiter, aber nicht mit

Paddocks - sondern, wenn überhaupt, höchstens mit Außenfenstern für die Pferde ausgestattet werden. Bei den Neuanlagen ist meist die Reithalle mit dem Stallgebäude zusammengebaut. Dies ist für die Reiter natürlich von Vorteil. Das bedeutet aber für die Pferde, dass sie zum Teil über Tage keinen natürlichen Reizen ausgesetzt sind.
Die Angst, dass sich die Pferde im Paddock  verletzen können, kann ich zum Teil nachvollziehen. Für mich ist es aber auch selbstverständlich, dass die Paddocks so gestaltet werden, dass die Verletzungsgefahr gering gehalten wird. Dazu zählt ein fester Untergrund, sodass die Pferde sich nicht im Paddock wälzen, sowie stabile Einzäunung, die evtl. zusätzlich mit E-Zaun zwischen den langen Seiten verstärkt wird. Kein Füttern der Pferde im Paddock, vor allem kein zusätzliches Füttern von einzelnen Pferden durch die Pferdebesitzer. Wenn einige logische Regeln von allen befolgt werden, entstehen auch keine Verletzungen.
So wie wir heute den Kopf schütteln, weil es Jahrzehnte brauchte, bis die Ständerhaltung verboten wurde, so werden wir in ein paar Jahren beschämt zurückdenken, dass wir den Pferden so lange jegliche Art von Freiheit und Selbstbestimmung genommen und sie ständig in winzigen Käfigen eingesperrt haben. Damit die Pferde für uns eine Stunde am Tag zur Verfügung stehen.
Wir sollten, nachdem Wissenschaftler nachgewiesen haben, dass es für die Pferde extrem gesundheitsschädigend ist, in einem Käfig auf ihren Einsatz zu warten, diesen Erkenntnissen endlich Rechnung tragen und wenigstens Paddocks als Mindestausstattung festlegen. .

Wir Reiter nehmen so viel für unser Hobby in Kauf. Die meisten nehmen sich zumindest zwei Stunden für das Pferd Zeit. Wir geben Unmengen an Geld für Tierarzt, Zusatzmittel,  Ausrüstung u.ä. aus und können den Grundbedürfnissen des Pferdes dennoch nicht gerecht werden.
Ich möchte an dem Beispiel einer anderen Tierart aufzeigen, dass wir endlich umdenken sollten: Die Kleintierhaltung. Auch hier findet nur sehr langsam ein Umdenken statt. Obwohl die Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Hamster (auf die armen Vögel, die zum Fliegen und nicht zum Sitzen auf der Stange von Gott erschaffen wurden, möchte ich jetzt nicht auch noch eingehen) einzig und allein als Spielkameraden für die Kinder bzw. als Hobby allgemein gehalten werden, werden sie in winzigen Käfigen eingesperrt. Sie müssen sich, wenn sie nicht doch bissig geworden sind, stets von den Kindern streicheln, drücken und knuddeln lassen. Danach werden sie wieder in den Käfig gesetzt, der noch nicht einmal einen einzigen Hoppelsprung zulässt und die Tiere zwingt, auf ihren Exkrementen zu sitzen und zu liegen.
Grundsätzlich finde ich es sehr wertvoll, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Allerding sollten sie vor allem lernen, mit Tieren respektvoll umzugehen und ihnen einen weitmöglichst naturidentischen Lebensraum zu schaffen. Aber hierzu müssen wir Erwachsene zunächst unsere alten Verhaltensmuster grundsätzlich überdenken und endlich den Tieren, mit denen wir zusammenleben wollen, einen größeren Freiraum zukommen lassen.
Man könnte die schlechte Haltung damit rechtfertigen, dass sich der Normalbürger einfach nicht auskennt, aber auch in den Kleintierzuchtvereinen werden die Hasen nach wie vor in winzigen Käfigen gehalten. Schön aufeinandergestapelt, sitzen die Hasen im Volksmund „Stallhasen“ genannt, ihr Leben lang im Käfig bis sie geschlachtet werden. Dabei handelt es sich um Hasenzüchter, die stolz auf ihre Zucht sind und über Zuchtbestimmungen, Farbenspiel etc. bestens Bescheid wissen, die ihr Hobby für nichts auf der Welt eintauschen würden. So genannte Tierfreunde! Die Haltungsbedingungen für ihre Lieblinge zu ändern, wäre weder finanziell noch platzmäßig ein Problem, wären nur die althergebrachten Denkweisen nicht im Weg.
Genauso ist es bei vielen Stallbesitzern, die am Stallgebäude genügend Platz hätten, um Paddocks an die Boxen anzubauen. Oftmals bestehen sogar genügend Möglichkeiten, die Pferde vom Stallgebäude direkt auf eine Koppel zu lassen, wenn nicht ausgesonderte Landmaschinen im Weg wären, die darauf warten, in den nächsten Jahren vom Schrotthändler abgeholt zu werden.
Wir haben uns schon zu lange an den Tieren schuldig gemacht und sollten endlich anfangen, die Käfige, den jeweiligen Möglichkeiten entsprechend, umzubauen und umzugestalten.

©Offenstall und Pony copyright Fotografie-Jose Ajona